Sprachliche Stolpersteine im Deutschen

Hier geht es um sprachliche Gefahrenstellen, die auch viele "Deutsch-Expert/inn/en" nicht kennen bzw. die sie für weniger "gefährlich" halten, als sie es sind. Es geht um sprachliche Stolpersteine, die häufig zu gravierenden Kommunikationsstörungen führen, und um Ausdrücke, die so peinlich, verletzend, kindlich, merkwürdig oder lustig klingen, dass man "face-to-face" in aller Regel nicht korrigiert wird. Um weithin bekannte typische Fehler geht es an dieser Stelle eher nicht.

Welche Beispiele gibt es noch? martin.herold(at)deutausges.de

Schwedisch-Deutsch

im Gespräch, z. B. zur Erklärung, warum man nicht erreichbar war:
Verfasst von: Martin Herold
Mein Handy fungiert nicht richtig.
Richtig müsste es heißen: "Mein Handy funktioniert nicht richtig." Man versteht, dass "funktioniert" gemeint ist und korrigiert meist nicht. "Fungiert" klingt sehr komisch, irgendwie kindlich-naiv-sprachschwach.
im Gespräch, z. B. am zweiten oder dritten Tag eines Geschäftsbesuches:
Verfasst von: Martin Herold
Vielen Dank für das sehr leckere Mittagessen gestern Abend!
Richtig: "Vielen Dank für das sehr leckere Abendessen gestern!" Wenn man abends isst, handelt es sich um ein Abendessen und definitiv nicht um ein Mittagessen. Dieser Beispielsatz klingt verwirrend und so, als ob der/die Sprecher/in ein bisschen verwirrt ist. Es gibt aber auch viele Kontexte, in denen es zu echten Missverständnissen kommen kann.
in einem Planungsgespräch:
Verfasst von: Martin Herold
Damals haben wir gemeinsam ein wirklich tolles Projekt planiert.
Gemeint ist, dass ein tolles Projekt geplant wurde. Der Satz hört sich sehr lustig an und man muss sich mit Deutsch als Muttersprache das Lachen verkneifen, denn es klingt danach, als ob das Projekt platt gemacht wurde. Auf einer Autobanbaustelle planiert ein Baufahrzeug z. B. die Straße, es macht sie also (mit ziemlicher Kraft) platt. Man versteht aus dem Kontext aber natürlich, was gemeint ist.
im Gespräch:
Verfasst von: Martin Herold
Im Team waren zwei Schweden, zwei Deutsche und zwei Polacken.
Gemeint ist "zwei Polen". In Polen (nicht Poland!!!) wohnen Polinnen und Polen. Den Begriff "Polacke" gibt es im Deutschen auch, aber anders als im Schwedischen ist er sehr deutlich negativ besetzt, es schwingt eine abwertende Bezeichnung in Richtung "dreckig, kriminell, unangenehm" mit. Wer kein Schwedisch kann, kann über diese Bezeichnung irritiert sein und sich fragen, ob solch eine deutliche Abwertung gemeint sein sollte.
im Gespräch:
Verfasst von: Martin Herold
Mein absolutes Favorit-Restaurant in Berlin ist ...
Gemeint ist: "Mein absolutes Lieblingsrestaurant in Berlin ist ...". Anders als im Schwedischen oder Englischen ("my favourite restaurant") kann man das im Deutschen so nicht sagen. Die meisten dürften nach einigem Nachdenken verstehen, was gemeint ist, aber es klingt sehr komisch, ... was einem viele Schwedinnen und Schweden gar nicht glauben wollen.
Menschen im Gespräch, z. B. ein schwedischer Student mit einem deutschen Studenten:
Verfasst von: Martin Herold
Tim: Du sprichst sehr gut Deutsch, Lars! Lars: Ich habe drei Jahre Deutsch in der Schule gelesen.
Richtig sollte Lars sagen: "Ich habe in der Schule drei Jahre Deutsch gelernt (bzw. umgangssprachlicher: gehabt)." Bei "lesen" handelt es sich um eine direkte Übertragung aus dem Schwedischen, die im Deutschen merkwürdig klingt, weil man nur an das konkrete Lesen von Wörtern, eines Textes oder eines Buches denkt.

Deutsch-Schwedisch

Hier geht es um Fehler, die Deutsche häufig in Fremdsprachen machen.

Kennen Sie solche Fehler? Beispiele gerne an martin.herold(at)deutausges.de.

deutsche Person in Schweden, die Schwedisch lernt, am Telefon:
Verfasst von:
Ob ich Zeit habe? Da schaue ich mal schnell in meinen Fickkalender.
Gemeint ist natürlich ein Taschenkalender. "Ficka" ist eine Tasche, in Komposita "Fick-...", was einen Deutschen, der gerade Schwedisch lernt, auch zur Bezeichnung "Ficklampe" bringen könnte. Dies ist ein sehr drastisches Beispiel ... und ist wirklich passiert.