Sprachliche Stolpersteine im Deutschen

Hier geht es um sprachliche Gefahrenstellen, die auch viele "Deutsch-Expert/inn/en" nicht kennen bzw. die sie für weniger "gefährlich" halten, als sie es sind. Es geht um sprachliche Stolpersteine, die häufig zu gravierenden Kommunikationsstörungen führen, und um Ausdrücke, die so peinlich, verletzend, kindlich, merkwürdig oder lustig klingen, dass man "face-to-face" in aller Regel nicht korrigiert wird. Um weithin bekannte typische Fehler geht es an dieser Stelle eher nicht.

Welche Beispiele gibt es noch? martin.herold(at)deutausges.de

Estnisch-Deutsch

Auch viele der Stolpersteine "mit Muttersprache Finnisch" könnten interessant sein!

beim Angebot an jemanden, ob er ein Getränk auch trinken möchte:
Verfasst von:
Willst du auch mal schmecken?
Gemeint ist: "Willst du auch mal probieren?" Estnisch "maitsema" (= schmecken) wird in dieser Situation häufiger verwendet als die Entsprechung von probieren. Deutsche Muttersprachler/innen verstehen evtl. gar nicht, was gemeint ist. Die Frage klingt in jedem Fall äußerst merkwürdig.
z. B. Info für Geschäftspartner, die Gäste sind:
Verfasst von: Martin Herold
Denken Sie daran, dass das Geschäft gegenüber nur bis 18 arbeitet.
Gemeint ist: "Denken Sie daran, dass das Geschäft gegenüber nur bis 18 Uhr geöffnet hat." Im Deutschen kann man "arbeiten" in wesentlich weniger Kontexten verwenden als z. B. im Estnischen. Geschäfte haben geöffnet oder sind geschlossen bzw. sie haben auf oder sind zu (die letzteren beiden umgangssprachlich). Auch ist es im Deutschen wichtig, bei Zeitangaben "ab 13" immer das Wort "Uhr" mitzusagen.
Aussage eines Mädchens im Gespräch, z. B. unter Schüler/inne/n beim Schulaustausch:
Verfasst von: Martin Herold
Heute Abend will ich mit meinem Freund ins Kino gehen.
Wenn es um den festen Freund des Mädchens (feste Beziehung zwischen dem Mädchen und dem Jungen) geht, ist die Aussage so richtig. Häufig ist hier aber gemeint: "Heute Abend will ich mit einem Freund von mir ins Kino gehen." Im Deutschen ist die Abgrenzung zwischen "mein Freund/meine Freundin" und "ein Freund/eine Freundin von mir" sehr wichtig. Nicht nur im deutsch-estnischen Kontext entstehen gerade bei dieser Formulierung immer wieder Missverständnisse bzw. Unsicherheiten bei deutschen Gesprächspartner/inne/n. Dies geschieht auch deswegen, weil es sich hier um heikle persönliche Dinge handeln kann.
z. B. auf der Straße:
Verfasst von:
Kann ich dich helfen?
Richtig muss die Frage "Kann ich dir helfen?" heißen. Beim Verb "helfen" und auch beim Verb "gratulieren" verwenden viele Esten Akkusativ statt Dativ, weil sie die Kasusverwendung vom Estnischen aufs Deutsche übertragen.
im Gespräch:
Verfasst von:
Am nächsten Wochenende gehe ich nach Berlin.
Gemeint ist: "Am nächsten Wochenende fahre (oder evtl. auch fliege) ich nach Berlin." "Nach Berlin gehen", klingt entweder danach, dass man zu Fuß dorthin geht oder auch dass man nach Berlin umzieht, sich also dort eine Wohnung nimmt oder bei jemandem einzieht. "Am nächsten Wochenende reise ich nach Berlin" ist eine verständliche Variante, die nicht komisch klingt, die von Muttersprachlern aber wiederum kaum verwendet werden würde.
z. B. Schüler in der Schule zum Lehrer:
Verfasst von:
Ich habe mein Buch nach Hause vergessen.
Gemeint ist: "Ich habe mein Buch zu Hause vergessen." Obwohl bei genauerer Betrachtung "nach Hause vergessen" gar nicht unlogisch ist, klingt es im Deutschen sehr komisch, ähnlich wie: "Das habe ich aus einem Buch gelesen." Der Satz klingt sehr komisch und unbeholfen, so dass viele sich ein Lachen verkneifen müssen, obwohl dies sicher nicht gerecht ist.

Deutsch-Estnisch

Hier geht es um Fehler, die Deutsche häufig in Fremdsprachen machen.

Kennen Sie solche Fehler? Beispiele gerne an martin.herold(at)deutausges.de.