01.11.2017 14:30

WORT DER WOCHE: hinnehmbar (Sprachdosis KW 44 - veröffentlicht am 03.11.2017)


WORT DER WOCHE: hinnehmbar

Deutsch 2.0-Sprachdosis in der Kalenderwoche (KW) 44/2017, veröffentlicht am 03.11.2017

Sprach-Info:

Dieses Adjektiv, fast immer in der Negation nicht hinnehmbar verwendet, ist recht neu. Die DUDEN-Auflage von 1996 enthält es nicht, und sogar in WAHRIGs DEUTSCHES WÖRTERBUCH ist es im Jahr 2000 noch nicht aufgenommen.

Dass hinnehmbar ein junges Wort ist, erkennt man auch daran, dass es die Negation mit der Vorsilbe –un, wie ältere Adjektive sie kennen (wirklich - unwirklich, möglich – unmöglich, behaglich – unbehaglich, bewusst – unbewusst, ...), also unhinnehmbar, nicht gibt. Die Negation kann nur mit dem vorangestellten nicht ausgedrückt werden.

Dieses nicht hinnehmbar tritt jetzt allerdings mehr und mehr an die Stelle von inakzeptabel.

Ein Leserbriefschreiber hält es in der Frankfurter Rundschau vom 9. Oktober für nicht hinnehmbar, dass man der AfD als „Leisetreter“ begegnet.

Am 11. Oktober melden mehrere Zeitungen, der Vorstand des Fußballzweitligisten VfL Bochum habe den Mannschaftskapitän suspendiert, weil dieser das Trainerteam „in nicht hinnehmbarer Art und Weise“ beleidigt habe.

In einem Interview in der ZEIT vom 14. September hält es der Maler Neo Rauch für nicht hinnehmbar, dass in Urteilen über Kunst „Minderheiten“ solche Künstler, die ihren „Bedürfnislagen“ nicht passen, des Sexismus oder Chauvinismus bezichtigen.

Warum nicht hinnehmbar inakzeptabel oft verdrängt, bleibe dahingestellt; ein Bedeutungsunterschied ist für mich nicht zu erkennen. 

Haben Sie dieses nicht hinnehmbar auch schon öfter gehört oder gelesen?
Und ist Ihnen sogar schon einmal hinnehmbar ohne „nicht“ begegnet?

Antworten, Fragen oder Kommentare gern an den Autor dieser Sprachdosis Jochen Pöhlandt.


Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte hier an.

Kommentare

Keine Einträge

Keine Einträge gefunden.